Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)

Das Auftreten von Buntzecken ist absolut neu für mich – zwar gab es die letzten Jahre immer unangenehm viele Zecken in unserer Region, allerdings hatten sich meine Funde bislang auf den »normalen« Holzbock beschränkt.

Auch dieser kann bekanntermaßen gesundheitsschädliche Folgen für die Pferde haben: Abgehen von massivem Juckreiz, der an der Stichstelle entsteht und gerne mal entzündete Schrubberstellen hervorruft, kann durch den Zeckenstich vor allem Borreliose übertragen werden – eine Erkrankung, die zu vielen unklaren Beschwerden wie Lahmheit oder Leistungsabfall führen kann. (FSME, die beim Menschen gefürchtete Frühsommer-Meningoenzephalitis, spielt beim Pferd offenbar nur eine sehr untergeordnete Rolle als Komplikation nach einem Zeckenstich).

Da immer wieder zu lesen ist, dass das Erkrankungsrisiko umso geringer ist, je kürzer die Zecke saugt, habe ich es mir schon länger angewöhnt, die Ponys mehrfach täglich sehr gründlich nach Zecken abzusuchen. In der Regel entdecke ich die Quälgeister daher frühzeitig, während sie noch auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle auf dem Fell herumkrabbeln oder zumindest sehr kurz, nachdem sie sich festgesaugt haben. Die Zecken entferne ich dann umgehend mit Zeckenzange oder Zeckenkärtchen, je nach Größe bzw. Stichstelle. So sind wir bislang gut zurechtgekommen und hatten zum Glück auch noch nie gesundheitliche Probleme.

Von den jetzt neu beobachteten Buntzecken geht leider nochmal ein weiteres Gesundheitsrisiko aus: Der Stich der Auwaldzecke kann Piroplasmose beim Pferd übertragen, eine Erkrankung, von der ich in den letzten Jahren viel gehört hatte, die mir aber in weiter Ferne schien, da ich bislang weder mit Buntzecken konfrontiert war, noch persönlich einen Erkrankungsfall kenne. Die Aussagen zur Gefährlichkeit einer Infektion unterscheiden sich übrigens je nach Informationsquelle stark, ich habe das plötzliche und sehr gehäufte Aufkommen der übertragenden Zecke bei uns aber natürlich zum Anlass genommen, mich eingehend damit zu beschäftigen, wie eine wirkungsvolle Prophylaxe aussehen könnte.

Die letzten Jahre hatten wir im Kampf gegen den Holzbock bereits so ziemlich alles getestet, was auf dem Markt erhältlich ist und auch jede Menge selbst gemischte Rezepturen ausprobiert: Mit Lavendel-, Teebaum-, Kokos- oder Nelkenöl habe ich versucht, die Quälgeister auf Abstand zu halten, aber wirklich durchschlagenden Erfolg hatten wir bislang leider mit keinem der Mittel.

Neu war für mich nun, dass auch Schwarzkümmel (Nigella sativa) gegen Zecken helfen soll – und da dem Schwarzkümmel insgesamt viele positive Eigenschaften nachgesagt werden (neben einer allgemeinen Stärkung des Immunsystems wird auch eine Unterstützung der Atemwege sowie ein positiver Effekt auf Haut, Hufe sowie den Magen-Darm-Trakt angegeben), habe ich vor einigen Wochen damit begonnen, Schwarzkümmelsamen zuzufüttern, auch wenn ich keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit finden konnte. Zusätzlich bestreiche ich beliebte Stichstellen (wie Kniefalte, Brustfalten, Mähnenkamm, …) vor dem Koppelgang immer wieder mit etwas Kokosöl, da die darin enthaltene Laurinsäure einen positiven Effekt haben soll.

Derzeit habe ich nun tatsächlich kaum noch Buntzecken auf den Ponys – ob echter Effekt oder Zufall, wird der Langzeittest zeigen. »Normale« Holzböcke lassen sich offenbar aber auch mit diesen Maßnahmen nicht wirkungsvoll abschrecken; ich finde sie weiterhin in großer Menge.

Falls also jemand noch einen Geheimtipp für uns hat, würde ich mich über einen entsprechenden Erfahrungsbericht in den Kommentaren sehr freuen. Stark giftige oder umweltschädliche Substanzen (wie Permethrin) möchte ich aber nach Möglichkeit weiterhin vermeiden.

Anmerkungen

Viele Pferde reagieren empfindlich auf einige der hier genannten Substanzen (insbesondere Kokosöl und Teebaumöl können Auslöser heftiger allergischer Reaktionen sein) – daher bitte die Verwendung neuer Mittel am besten mit dem Tierarzt absprechen!

Die Schwarzkümmelsamen, die es speziell als Futtermittel für Pferde zu kaufen gibt, werden von beiden Ponys übrigens sehr gerne gefressen. Ich mische sie einfach unter das Mineralfutter.

Alle Angaben ohne Gewähr.
Dieser Artikel stellt keine medizinische Beratung dar.