Pico mit Weidehalfter

Koppeln mit Baumbestand

Auf vielen Koppeln haben wir Bäume, was einfach toll ist für die Pferde: Sie finden immer ein schattiges Plätzchen, können den Poppes an Baumstämmen schrubbern oder zur Abwechslung ein paar Blätter und Zweige knabbern. Zur rechten Jahreszeit gibt es sogar den ein oder anderen Apfel direkt vom Baum zu naschen – zum Glück übertreiben sie es damit beide nicht, so dass sie problemlos auf der Streuobstwiese stehen können, ohne dass ich mir Sorgen machen muss.

Gefährlich wird es aber, wenn die Pferde stabile Stallhalfter tragen, die sich nicht öffnen, sollten sie einmal an einem Ast hängen bleiben.

Trotzdem kann es natürlich sinnvoll sein, sich für ein Halfter auf der Weide zu entscheiden – ob versicherungstechnisch vorgeschrieben, vom Stallbetreiber verlangt oder schlicht, um Fliegenfransen zu befestigen. Bei uns hatten die penetrant an der Tränenflüssigkeit saugenden Fliegen in der Vergangenheit immer wieder böse Augenentzündungen verursacht und simple Fransen, die mit Klett wie ein Stirnriemen am Halfter befestigt werden, haben sich für uns als die praktikabelste Abwehr herausgestellt: Sie helfen ausreichend gut und werden von den Ponys problemlos toleriert.

Herkömmliche Modelle

Um das Risiko des Hängenbleibens zu minimieren, bietet der Markt spezielle Weidehalfter mit Sollbruchstellen, die bei Belastung den Pferdekopf freigeben. Gut bewährt haben sich bei uns ganz einfache, leichte Modelle mit Klettverschluss: Sie öffnen sich in vielen Gefahrensituationen zuverlässig und sind aus weichem Material, so dass auch Pico, der recht empfindlich ist, selbst bei mehrstündigem Tragen bislang keine Druck- oder Scheuerstellen bekommen hat.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Ponys die Halfter ab und an verlieren; bei uns bleiben sie aber gut genug am Pferdekopf, dass wir keine Probleme mehr mit Augenentzündungen haben. Um abgefallene Halfter schnell wiederzufinden, empfehlen sich auffällige Farben: Obwohl ich mein sonstiges Equipment am liebsten in dezenten Naturtönen habe – meine Weidehalfter sind gerne knallig bunt.

Achtung: Die leichten Halfter eignen sich nicht, um Pferde sicher zu führen oder anzubinden! Pico und Monty tragen hierfür einfach ihre normalen Halfter über den Weidehalftern.

DIY: Weidehalfter selbst gemacht

Variante mit Klett

Da ich gerne eine zusätzliche Sollbruchstelle am Nasenriemen haben wollte, die bei handelsüblichen Weidehalftern in der Regel nicht vorhanden ist – und für Monty die Passform der gekauften Halfter ohne Nachbesserungen sowieso nie ideal war, habe ich auch selbst gebastelt: Mit etwas Gurtband und Klett lassen sich einigermaßen schnell und kostengünstig individuelle Modelle anpassen, die perfekt passen und prima funktionieren.

Gurtband gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen und Farben – gerne verwende ich schadstoffgeprüftes Material, wie es speziell für Halfter oder Hundeleinen im Handel erhältlich ist. Gut geeignet sind thermoplastische Kunststoffe, die sich an den Schnittkanten durch Abflammen mit einem Feuerzeug verschweißen lassen; andernfalls muss man nähen, um zu verhindern, dass sich die Bänder aufdröseln. Tipp: Verwendet man eine Lötpistole, so lassen sich Thermoplaste sehr sauber in einem Schritt schneiden und verschweißen.

Aus gutem Grund verschließt man Weidehalfter meist, indem man den Kehlriemen durch einen Durchschlupf am Backenstück zieht und nach dem Umschlagen an sich selbst festklettet: So ist die Verbbindung weitestgehend vor Scherkräften geschützt und öffnet sich weniger schnell ungewollt – es sind schon ordentliche Zugkräfte nötig, um den Klett zu lösen.

Bei meinen selbst gebastelten Halftern habe ich allerdings für die zusätzliche Sollbruchstelle des Nasenriemens eine einfach überlappende Klettverbindung am Kinn gewählt: Die Stelle ist im Normalfall kaum einer Belastung ausgesetzt – und durch die Größe der Klettfläche sowie die Qualität des verwendeten Klettbands kann man zudem die Haftstärke variieren.

Experimente, auch die Verbindung Kehlriemen/Bakckenstück ohne die oben beschriebene Lasche zu kletten, haben sich dagegen nicht bewährt; die Halfter fallen dann viel zu leicht ab. Hier muss man also ein Stück Gurtband aufnähen, um den Durchschlupf zu erzeugen (siehe Bild unten).

Hinweis: Selbstklebendes Klettband eignet sich leider nicht gut. Soll das Band zuverlässig halten, muss es zusätzlich vernäht werden, was durch den Kleber sehr mühsam ist: Mit jedem Stich verklebt die Nadel mehr und lässt sich schon nach wenigen Stichen kaum noch durch das Gewebe schieben. Tricks wie das Eintauchen der Nadel in Öl oder Spüli bzw. ein Einfrieren des Halfters vor dem Nähen haben bei mir nicht den gewünschten Erfolg gebracht – guten Gewissens kann ich daher nur die Verwendung von nicht klebendem Klettband empfehlen.

Variante mit Druckknöpfen

Um relativ einfach weitere Sollbruchstellen einbauen zu können, habe ich auch mit Druckknöpfen experimentiert. Zu meiner Überraschung hat sich diese Variante bei Monty bestens bewährt und ist für ihn mein absoluter Favorit. Bei Pico, der viel aktiver im Gebüsch wühlt und beim Wälzen den Kopf kräftig über den Boden reibt, empfiehlt sich hingegen die stabilere Klettverschluss-Variante.

Je nach Dicke des Gurtbandes ist es übrigens nötig, spezielle Druckknöpfe für dicke Stoffe zu verwenden. Und für den Verschluss am Kinn sollte man zwei Druckknöpfe nebeneinander anbringen, da sich die Enden sonst wie an einem Scharnier gegeneinander verdrehen.

Fazit: Für kleine Rabauken und stärkere Belastung sind Druckknöpfe definitiv ungeeignet, bei zarten Elfen aber einen Versuch wert. Durch eine Kombination der verschiedenen Möglichkeiten an den einzelnen Verbindungsstellen lassen sich höchst individuell Halfter für verschiedene Ansprüche herstellen. Montys unten gezeigtes Weidehalfter hat nur auf einer Seite Druckknöpfe (rote Pfeile) und ist ansonsten vernäht.

Alternativen

Fliegenmasken haben sich bei uns auf Koppeln mit Bäumen übrigens nicht bewährt. Sie bieten zwar deutlich besseren Schutz vor Insekten und viele Modelle geben den Pferdekopf im Gefahrenfall ebenfalls gut frei – allerdings zerreißen die Stoffe beim Hängenbleiben schnell und die Masken sind dann natürlich kaputt. Durch die größere Angriffsfläche werden die Masken – zumindest bei uns – auch deutlich schneller von den Pferden abgestreift.

Auf dem Paddock sind sie allerdings eine gute Lösung und so tragen die Buben bei uns zu Hause regelmäßig ihre schicken Häubchen:

Externe Links

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Fertiges Equipment

Material

Sonstiges

Zum Einschlagen der Druckknöpfe benötigt man zusätzlich Hammer oder Fäustel. Bitte unbedingt eine unempfindliche Unterlage verwenden!

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